Der Sandmann ist da

So beginnt ein altes Kinderlied und auch die Fernsehserie mit dem Sandmännchen kennt wohl jeder. Der Sandmann bringt den Schlaf. Nur leider kommt Dieser nicht in allen Schlafzimmern an. Schlafstörungen sind zur Volkskrankheit geworden. Eine spezielle Schlafstörung namens „Non-24“ betrifft vor allem blinde Menschen. Hier lest ihr wie sich Non-24 anfühlt und wo man Informationen und Hilfe dazu bekommt.

Fast jeder kennt es. Man geht abends ins Bett und wartet auf den Schlaf. Der will aber einfach nicht kommen. Oder er ist nur von kurzer Dauer und den Rest der Nacht liegt man wach und wälzt sich im Bett hin und her.
Solange dies nur ab und zu passiert, ist es relativ unbedenklich. Wird es jedoch zum Problem, weil es zu häufig vorkommt, sollte man der Sache auf den Grund gehen. Denn Schlafmangel ist nicht nur für die Psyche ungesund und führt zu erheblichem Konzentrationsmangel, auch körperlich kann es zu schweren Folgeerkrankungen kommen.

Die Nicht-24-Stunden-Schlaf-Wach-Störung

Hierbei handelt es sich um eine seltene zirkadiane Rhythmusstörung, kurz Non-24 genannt.
Mit „zirkadian“ ist der Tagesrhythmus gemeint, also ein Zyklus von 24 Stunden. Normalerweise orientiert sich unsere innere Uhr am Tagesrhythmus, der wiederum durch das Tageslicht geregelt wird.
Über das Auge nehmen wir war, dass es Tag wird und der Körper schüttet das Stresshormon Cortisol aus und wir werden wach. Wenn es am Abend dann dunkel wird, beginnt der Körper das Schlafhormon Melatonin zu produzieren und wir werden müde.
Bei vollblinden Menschen funktioniert dieses System aber möglicherweise nicht. Durch die fehlende Lichtwarnehmung kann sich die innere Uhr nicht mit dem 24-Stunden-Rhythmus synchronisieren und gerät aus dem Takt.
Die Folge: Der Körper fängt an, sich nach einem eigenen inneren Tagesrhythmus zu richten. Dieser entspricht aber nicht zwangsläufig dem von äußeren Einflüssen gesteuerten Tagesrhythmus von 24 Stunden, sondern kann mehr oder weniger davon abweichen. Die Schlaf- und Wachphasen verschieben sich somit zyklisch.
Einfach erklärt: Wennn ich einen inneren Rhythmus von vierundzwanzigeinhalb Stunden habe, verschieben sich meine Schlaf-Wach-Phasen jeden Tag um eine halbe Stunde. Das führt irgendwann dazu, dass mein körper in seinem eigenen Rhythmus Cortisol und melatonin ausschüttet. Nachts, wenn ich eigentlich schlafen will, putscht mich der Wachmacher Cortisol auf, dagegen fängt früh morgens das Melatonin an zu fließen und mich runterzufahren, wenn ich gerade im Büro sitze und es ein denkbar schlechter Zeitpunkt zum schlafen ist. Nach diesem Beispiel wäre man nach 24 Tagen einmal rund um die Uhr.

Folgen von Non-24

Neben ein- und Durchschlafschwierigkeiten leiden Betroffene unter einer enormen Tagesmüdigkeit. Dies führt langfristig zu Energieverlust, Konzentrationsmangel und möglicherweise auch anderen körperlichen und psychischen Beschwerden.
Auch die Teilnahme am sozialen Leben und die Arbeitsfähigkeit werden massiv eingeschränkt. Die Lebensqualität lässt spürbar nach.

Wie lässt sich Non-24 diagnostizieren

Hierzulande ist Non-24 bisher noch nicht sehr bekannt. Daher ist es nicht leicht, eine Diagnose zu erhalten.
Ist man von massiven Schlafstörungen betroffen sollte man zunächst einen Arzt oder Schlafmediziner aufsuchen, um mögliche Ursachen zu untersuchen. Es muss ausgeschlossen werden, dass faktoren wie beispielsweise das Schlafabnoe-Syndrom oder das Restless-legs-Syndrom verantwortlich für schlechten Schlaf sind.
Zudem sollte man sein eigenes Verhalten genauestens unter die Lupe nehmen. Stichwort „Schlafhygiene“. Auch die Frage nach der Bewegung spielt eine große Rolle. Bewegung ist sehr wichtig für den Körper, zudem muss man dafür sorgen, dass der Körper Tagsüber auch in dem Maße gefordert wird, dass er sich am Abend erschöpft fühlt.
Ein sehr wichtiges Hilfsmittel, auch zur eigenen Kontrolle, ist das Führen eines Schlaftagebuchs. Auch für Mediziner bietet es einen guten Anhaltspunkt.

Wo gibt es Hilfe

Die gute Nachricht ist, wir Betroffenen sind damit nicht allein.
Telefonische Hilfe bietet die deutsche Service-Hotline von
Non-24.de
ein Informationsportal zur zirkadianen schlaf-wach-Rhythmusstörung.
Unter der kostenfreien Servicenummer
0800 24-321-06
erhält man Hilfe und Adressen von Ärzten, an die man sich wenden kann.
Außerdem informiert man dort über Non-24, wie in diesem Informationsvideo

Niemand ist allein

Es gibt mittlerweile auch ein tolles Angebot für Informationen und Möglichkeiten zur Vernetzung mit Betroffenen.
Im
Sandmann Podcast
informiert uns
Nina Schweppe
über Interessantes und Wissenswertes zum Thema Schlaf.
Im Beschreibungstext zum Podcast heißt es:

Besser schlafen
Erholsamer durchgehender Schlaf ist für jeden Menschen existentiell. Nur wer gut und ausreichend Schlaf findet, wird am Tag seine Konzentrations- und Leistungsfähigkeit abrufen können. Jeder Dritte hat jedoch Schwierigkeiten, diesen erholsamen Schlaf zu finden. Bei blinden Menschen kommt hinzu, dass die fehlende Lichtwahrnehmung zur Verschiebung der Schlaf- und Wachphasen führen kann. In SANDMANN tauschen sich Menschen mit Schlafstörungen aus und geben sich gegenseitig Tipps und erreichen so gemeinsam einen erholsameren Schlaf für die Verbesserung ihrer Lebensqualität.

Die blinde Sozialpädagogin bietet barrierefreie Ernährungsberatung, personal Coaching und kompetente Schlafberatung an und moderiert und betreut auch die
zum Sandmann gehörende Mailingliste
und eine Whatsappgruppe.
Hier tauschen sich blinde Menschen, die von Schlafstörungen betroffen sind untereinander aus, geben Tipps und berichten von ihren Erfahrungen.

Traut Euch und lasst uns wachsen

Jeder, der sich eintragen möchte, ist herzlich willkommen.
Unter
sandmann-subscribe@blindzeln.net
kann man sich bei der Sandmann-Mailingliste anmelden.
Wer der WhatsApp-Gruppe beitreten möchte, nimmt bitte per E-Mail
Kontakt zu Nina Schweppe
auf, sie kümmert sich dann um alles weitere.

Ein Gedanke zu „Der Sandmann ist da“

  1. Ich denke, dass es wichtig ist sich fachkundige Hilfe zu holen. Viele Menschen mit Schlafstörungen probieren erst mal alles an Hausmitteln und Ratschlägen aus dem sozialen Umfeld oder dem Internet aus. Das kann hilfreich sein, muss es aber nicht.

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