„Die Heiland – Wir sind Anwalt“ Folge 3: „Wenn du mich liebst“

Nach einer schwachen zweiten Folge gibts bei Folge 3 kaum was zu meckern. Uns erwartet ein solide erzählter Fall aus der harten Welt der SEK-Polizisten. Die Folge traut sich sogar ein Bißchen blinde Selbstironie. Und man lernt noch zwei Regeln, mit denen man im Umgang mit Blinden eigentlich kaum mehr was falsch machen kann. Wie immer auf Hörfutter die Direktlinks zur Folge und Totos Kurzkritik.

Hier die direkten Links zur Folge:

Das wird verhandelt

Christian Fuchs, SEK-Beamter und Ausbilder bei der Polizei, soll versetzt werden. Seine Frau bittet Romy, gegen die Versetzung vorzugehen. Nur warum ist Fuchs davon überhaupt nicht begeistert?

Das lernen wir über Blinde

Hilfsmittelmäßig zoomen wir uns diesmal eher in die Alltagswelt stark sehbehinderter Menschen hinein. Das Bildschirmlesegerät vergrößert Schrift und auf der beleuchteten Tastatur tippt Romy routiniert im Zehnfingersystem.

Nebenbei gibts noch zwei wertvolle Weisheiten fürs Leben mit auf den Weg: „Wer nicht spricht, den gibts nicht“ und „wer nicht aus dem Weg geht, wird umgerannt“. Genauso isses! Wer beides im Alltag beherzigt kann beim Umgang mit blinden Menschen eigentlich nicht mehr viel falsch machen.

Typisch Sehende!

Romy und Ada begleiten Fuchs zu einem Verhör. Der Kommissar der das Verhör führt stellt sich vor und fragt rhetorisch: „Sie sind die Anwältin?“ Wen sieht er dabei automatisch an? Klar, natürlich Ada, nicht die blinde Romy.

Zuerst wird der Sehende angesprochen, das muss schließlich die Hauptperson sein, bestimmt nicht der Blinde der noch dabei ist – wie oft habe ich das im Alltag schon erlebt, bei Interviews oder bei Behördengängen, wenn mich ein Sehender begleitet.

Ich nehme das übrigens nicht übel. Der Raport läuft nunmal erst über Blickkontakt. Da ist es umso wichtiger, dass der Assistent sich gut zurücknehmen und in den Hintergrund treten kann – was Ada hier auch erstmal tut.

Das kam mir bekannt vor

Gleich zwei Klischees, die mir besonders häufig begegnen, werden mal eben ganz elegant abgefrühstückt: „Blinde schauen keine Filme“ und „Blinde haben nichts mit Autos am Hut.“ Beides Quatsch. In meinem Freundeskreis habe ich gleich mehrere blinde Kino- und Serienjunkies und sogar ein paar ebenfalls blinde Autofreaks.

Ich selbst kann eher was mit Filmen anfangen als mit Autos. Aber Fahrlehrer die Fahrstunden für Blinde anbieten gibts tatsächlich und diese Erfahrung steht auch noch auf meiner To-Do-Liste. Romy hat die ja schon hinter sich. Und übrigens: Danke Romy für die vielen Filmtipps.

Stärkste Szene

Weil Ada einen Brief zu spät eingeworfen hat, bequatscht Romy eine Beamtin, damit sie das Schreiben doch noch stempelt. Dabei drückt sie voll auf die Tränendrüse und zieht alle Register der großen Blinden-Mitleidsnummer.

Tja, für irgendwass muss das Klischee vom armen hilflosen blinden Hühnchen auch mal gut sein, oder? Und nein, ich bin absolut nicht dafür, sich auf seinem „Blindenbonus“ auszuruhen. Nur manchmal, in ganz seltenen Ausnahmefällen, ist dieser Bonus die einzige Karte, die man überhaupt noch in der Hand hat. Das steckt für mich in dieser Szene. Ein echt starker Moment voller Selbstironie – bitte mehr davon.

Das ist mir aufgestoßen

Ganz ehrlich – in dieser Folge herzlich wenig. Einige Dinge, die mich schon seit der ersten Folge nerven, sind weiterhin präsent. Was veranstaltet Romy eigentlich immer mit ihrem Stock? Mal drückt sie ihm einem Tatverdächtigen in die Hand, mal muss ihre Assistentin ihr den quasi apportieren, in Gespräche nimmt sie ihn meistens nicht mit, als ob sie den Langstock diskret verstecken müsste …

Auch das Verhältnis zwischen Romy und Ada eiert und stolpert mir immer noch zu unbestimmt vor sich hin: Vertrauensverhältnis, Zweckgemeinschaft, Hassliebe … wie ein realistisches Bild einer sich entwickelnden Assistenzbeziehung fühlt sich das für mich einfach nicht an.

Aber langer Rede kurzer Sinn: An der aktuellen Folge hab ich konkret mal nix zu meckern. Solide, witzig und sogar die Handlung hat irgendwann meine Neugier geweckt.

Gedanken nach dem Abspann

Mit dieser Folge hat sich eine gewisse Normalität eingependelt. Langsam bekomme ich das Gefühl, was ich von dieser Serie erwarten darf und was nicht. Schade, schon die halbe Staffel vorbei. Hat die Serie mich schon so überzeugt, dass ich mir eine Verlängerung wünsche? Ich glaube, das lasse ich mir noch für die nächsten Folgen offen.

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