„Die Heiland – wir sind Anwalt“ Folge 6: Gefahr in Verzug

Zuerst die schlechte Nachricht: Das ist vorerst die letzte Folge um Romy und Ada. Und jetzt die gute: Diese Folge ist ein Knaller! Tempo, Spannung, Charakterentwicklung – „Gefahr in Verzug“ liefert all das und schließt mit einer genialen letzten Szene.

Hier die Direktlinks zur letzten Folge

Das wird verhandelt

Ist Adas Bruder Ringo tatsächlich ein Drogendealer? Als dann auch noch Drogen in Adas Wohnung gefunden werden, wird die Geschichte richtig brenzlig.

Das lernen wir über Blinde

Nicht besonders viel, und genau das ist die Stärke dieser Folge. Die Blindheit steht nicht mehr so im Mittelpunkt, bleibt aber immer präsent.

Nebenbei sehen bzw. hören wir mal wieder den Penfriend in Aktion (ob die Anträge auf dieses Hilfsmittel demnächst drastisch steigen werden?) und wir sehen Romy kurz beim einscannen eines gedruckten Buches. Ach und natürlich lernen wir, dass auch Blinde manchmal ihre Klamotten unordentlich auf den Boden schmeißen – in gewissen Situationen ist das aber erlaubt ;-).

Typisch Sehende!

Sie überraschen einen immer wieder, negativ wie positiv. Stress und Chaos können manchmal ganz förderlich dafür sein, dass die Behinderung in den Hintergrund tritt. In dieser Folge überschlagen sich die Ereignisse ständig. Da bleibt den Figuren nicht viel Zeit um an Romys Fähigkeiten zu zweifeln.

In dieser temporeichen Episode wirkt Romy auf mich so selbstverständlich eingebunden wie sonst nur selten. Da ändert auch nichts dran, wenn Ringo die blinde Anwältin mal als Fledermaus betitelt. Ob da ein Autor die Groschenhefte um die „schwarze Fledermaus“ im Kopf hatte? Wahrscheinlich nicht, aber schön wärs.

Das kam mir bekannt vor

Auf einem ganz normalen Stadtplan von Berlin lässt sich Romy von Ringo mehrere Punkte mit Nadeln markieren und die Strecken dann mit dem Finger zeigen. Romy sagt, so will sie sich ein Bild machen. Klingt vielleicht nicht plausibel, aber ich kenne tatsächlich einige blinde Menschen mit einem unglaublichen räumlichen Vorstellungsvermögen. Ich selbst gehöre nicht dazu. Daher ist es für mich selbst immer wieder verblüffend, wie leicht sich manche Blinde, auch wenn sie noch nie gesehen haben, ein Bild von einer Autostrecke oder ihrer eigenen Position in einer großen Stadt machen können.

Stärkste Szene

Ganz klar die Schlussszene. Aber die verrate ich an dieser Stelle nicht. Lieber selbst schauen, es lohnt sich.

Das ist mir aufgestoßen

Ganz ehrlich? Nichts. Stattdessen sollte hier lieber stehen: Das hat mich so richtig gefreut! Nämlich folgendes:

Im Polizeigewahrsam macht ein aggressiv-verunsicherter Ringo Romy deutlich klar, dass er von ihr keine Hilfe will und wohin sie sich ihre Ratschläge stecken soll. Und Romy, ohne Assistenz, macht genau das: Sie klappt ihren Stock aus und geht.

Endlich ist der Langstock mal da wo er hingehört: In Romys Hand. Endlich wird er nicht als Attribut der Behinderung gezeigt, dass man diskret verstecken muss, sondern als Symbol für Unabhängigkeit und Orientierung. Klingt zu pathetisch? Mag sein. Aber nach fünf Folgen peinlichem Stock-Mikado bitte ich das zu entschuldigen.

Gedanken nach dem Abspann

Die beste Folge der gesamten Serie. Und leider die vorerst letzte. Wünsche ich mir eine zweite Staffel? Unbedingt. Aber bitte mit dem Geist und der Energie dieser einen Folge. Da steck mehr Plot, mehr Spannung und mehr Charaktertiefe drin wie in den gesamten fünf Folgen vorher. Wenn man daran anknüpft entsteht vielleicht eine Serie, die auch Blinde nicht nur gucken, weil eine blinde Hauptfigur drin vorkommt, sondern weil die Serie einfach spannend und mitreißend ist.

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