Orient-Express, bitte nicht einsteigen!: Ein Radiotip und (k)ein Kinotip für Krimifans am Wochenende

Heute kommt die Neuverfilmung von „Mord im Orient-Express“ ins Kino – nach einem der besten Krimis, die Agatha Christie jemals geschrieben hat. Der Film ist starbesetzt und hält sich eng an die Vorlage. Warum ich den Film trotzdem nicht empfehlen kann und wie Krimifreunde am Wochenende trotzdem auf ihre Kosten kommen.

Nun dampft er wieder. Bereits fünfmal wurde Agatha Christies Kriminalroman „Mord im Orient-Express“ verfilmt. Diesmal von Kenneth Branagh, der auch gleich noch die Hauptfigur spielt, den belgischen Detektiv Hercule Poirot.

Fünf Filme – muss das sein? Vermutlich ja. Die Geschichte ist einfach zu gut. Der legendäre Orient-Express, der in den 30er Jahren von von Istanbul nach London fährt und auf halber Strecke in einer Schneewehe stecken bleibt. Ausgerechnet jetzt passiert auch noch ein Mord im Zug. Zum Glück ist der kleine Belgier mit den grauen Zellen an Bord. Und Poirot macht sich sofort daran, den Mord im Orient-Express aufzuklären.

Spannender Plot und große Namen

Die Story lebt nicht nur von dem starken Krimiplot, der mit das beste ist, was die Queen of Crime jemals geschrieben hat. Agatha Christie bevölkert ihren Orient-Express auch mit jeder Menge schillernder Figuren. Für die Passagiere versammelt auch der neue Film bekannte Schauspieler mit großen Namen: Johnny Depp, Judi Dench, Willem Dafoe und Michelle Pfeiffer sind nur einige Namen auf der erlesenen Passagierliste. Ein Spektakel mit viel Glanz und Dramatik, dass sich größtenteils auch eng an die Vorlage hält – da kann eigentlich wenig schiefgehen.

Trotzdem kann ich den Film nur eingeschränkt empfehlen.

Denn was fehlt mal wieder? Die Audiodeskription, die akkustische Filmbeschreibung für Blinde.

Klammheimlich und verschwiegen

Ebenso wie im Fernsehen z.B. bei jedem Tatort eine Hörfilm-Tonspur mit zusätzlichen Bildbeschreibungen für blinde Menschen angeboten wird, kann man diesen Service auch längst für Kinofilme dazuliefern. Trotzdem wird das bei den wenigsten Filmen getan.

Gerade bei Filmen, in denen wichtige Dinge stumm geschehen ist es schwierig, die Handlung ohne eine zusätzliche akkustische Erklärung zu verstehen. Der Spion in einem Agententhriller wie „Deutschland 83“ wird seine Aktion wohl selten mit den Worten kommentieren: So, jetzt habe ich am Schreibtisch des Ministers eine Wanze angebracht.

Genauso bekommt man in der Regel nur auf der visuellen Ebene mit, an welchen winzigen Details sich der scharfe Blick von Hercule Poirot gerade aufhängt. Details, die in anderen Filmen nur Staffage sind, können in einem Krimi zentrale Bedeutung haben. Ähnliches gilt für eine TV-Serie wie „Sherlock“, wo der britische Detektiv in superschnellen Bilderfolgen seine Schlüsse und Erkenntnisse mit dem Zuschauer teilt. Aber Sherlock läuft wenigstens mit Audiodeskription, so dass Blinde hier genauso viel Spaß an der Krimihandlung haben wie die Sehenden.

Wenn ein Traum einen Mord ankündigt

Wer jetzt trotzdem Lust auf einen cleveren Agatha-Christie-Krimi bekommen hat, dem empfehle ich am Samstagabend sein Radio einzuschalten. Das Kriminalhörspiel „der Traum“ nach einer Kurzgeschichte von Christie spielt in einem alten Haus, das sich gegen das moderne London erfolgreich zur Wehr setzt. Dort lebt der exzentrische Millionär Benedict Farley.

Jede Nacht hat Farley einen Traum von solcher Intensität und Klarheit, dass er sich genötigt fühlt, Hercule Poirot zu konsultieren – denn der Traum scheint ein Verbrechen anzukündigen. Doch Poirot ist kein Traumdeuter, und so bleibt ihm nichts weiter übrig, als unverrichteter Dinge wieder abzuziehen. Dennoch stimmte in diesem Haus etwas nicht, dessen ist sich Poirot gewiss.

„Der Traum“ läuft am Samstag ab 21:05 auf NDR Info hier live hören. Mit Felix von Manteuffel als Hercule Poirot und Friedhelm Ptok als Erzähler ist auch dieser Krimi von Agatha Christie hochkarätig besetzt. Und beim hören wird keiner von irgendwelchen Details ausgeschlossen.
 

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