Wasserkrieger und S-Bahn-Bettler: Die Radio-HörLights vom 13.11. bis 19.11.2017

Ein Horrorpilz verschlingt Schiffbrüchige. Und eine Journalistin gerät in den leider nur allzu realen Weltkrieg um die wertvollste Ressource der Menschheit: Wasser.

„Die Wasserkrieger“ von Tim Staffel

Wasser ist Leben. Aber Wasser bedeutet auch Profit und wirtschaftliche Macht. Und längst nicht jeder Mensch hat Zugang zu dem blauen Gold.

In seinem Hörspiel schickt Tim Staffel die Journalistin Mia Schelling auf eine Reise rund um die Welt. Dabei stößt sie auf Menschen, die, freiwillig oder nicht, in den harten Kampf ums
Wasser verwickelt werden.

In Athen zum Beispiel begegnet sie einer Familie, deren kleine Tochter vom Jugendamt in Obhut genommen wird, weil es zuhause kein fließendes Wasser mehr gibt. In der Türkei kämpft ein Kurde verzweifelt gegen ein Staudammprojekt, für das ganze Dörfer überflutet werden sollen. Und im Rheinland kämpft Holger Schmidt um seine Schweinefarm, die seit einem Düngemittelskandal Angriffen von Öko-Aktivisten ausgesetzt ist.

Der Streit ums Wasser wird schon letzt von beiden Seiten mit tabuloser Härte geführt. Und auch Mia Schelling, die darüber berichtet, gerät mehr und mehr zwischen die Fronten.

Die Beschreibung macht klar: Ein fiktives Hörspiel, aber hart an der Realität. Und mit zwei Teilen nimmt sich die Produktion auch gleich mehr Zeit für dieeses brisante, vielschichtige Thema. Teil 1 läuft am Mittwoch ab 19:04 auf WDR3 hier live hören. Teil 2 läuft diesen Donnerstag, ebenfalls ab 19:04 auf WDR3 hier live hören.

„Es darf ein bisschen mehr sein! – Coaching für U-Bahn-Bettler“ von Fritz Tietz 

„Entschuldigung, wenn ich störe. Mein Name ist Thomas, ich bin leider mittel- und obdachlos und würde mich über eine Spende sehr freuen …“ Wer in deutschen Großstädten die U- und S-Bahnen nutzt, trifft sie immer wieder, die sogenannten Ansprachebettler.

Auch mir sind solche Ansprachen im Frankfurter Bahnverkehr schon oft begegnet. Über Musiker, die in der Bahn zwischen zwei Haltestellen ein Stück zum besten geben freue ich mich immer. Wenn dagegen jemand mit lauter, oft irgendwie auch vorwurfsvoller Stimme die dicht gedrängten Fahrgäste (und damit auch mich) anspricht, empfinde ich das ehrlich gesagt als unangenehm.

Geld gebe ich weder dem Musikanten noch dem Ansprecher. Zu groß ist bei mir die Befürchtung, die Geldbörse weggerissen zu bekommen. Vielleicht eine sinnvolle Sicherheitsmaßnahme. Vielleicht eine Handlung aus unreflektierten Vorurteilen heraus. Oder eine Mischung aus beidem.

Gerade deshalb freue ich mich persönlich ganz besonders auf dieses Feature. Autor Fritz Tietz hat Bettler in Hamburger U- und S-Bahnen begleitet
und sie mit Vertriebs- und Marketingexperten zusammengebracht. Außerdem versucht der Autor sich in bester Reportermanier auch selbst als S-Bahn-Bettler.

Endlich mal ein Thema, dass mir gefühlt fast täglich auf die Pelle rückt und zu dem ich mir gerne neue Perspektiven wünsche, einen anderen Blickwinkel sozusagen. Der Hörtermin ist daher schon vorgemerkt: Freitag ab 20:10 Uhr auf Deutschlandfunk hier live hören.

„Fungus – Pilz des Grauens“ von William Hope Hodgson

Schon mal was von Carnacki dem Geisterfinder gehört? Das ist die bekannteste Figur des britischen Horrorautors William Hope Hodgson, quasi ein direkter Vorfahre von Geisterjäger John Sinclair. Carnacki hat sich schon vor über hundert Jahren auf Geisterjagd begeben. Und die Dämonen, mit denen es dieser Ur-Sinclair zu tun hatte, waren bedeutend beunruhigender als die Klischee-Vampire und -Werwölfe heutiger Hörspiele. Der Horror, der in den Geschichten von Hodgson auftauchte, war so unfassbar und tödlich wie ein Blitzschlag.

Das gilt auch für dieses Hörspiel, das auf einer Kurzgeschichte von Hodgson basiert. Tokio im Ausnahmezustand – Sirenen heulen über der Stadt. Die Bevölkerung wird gewarnt, die Wohnungen nicht zu verlassen. Einige junge Leute wollen dem Chaos entgehen und machen sich mit einem Segelboot auf Richtung Südpazifik.

Einige Zeit darauf bleibt in nebliger Nacht der Fischtrawler „Ebirah“ wegen Maschinenschadens liegen. Der junge Matrose, der allein an Deck auf Wache ist, hat ein seltsames Erlebnis: Aus der Nacht tönt eine Stimme – dort im Dunkeln sitzt ein Mann in einem Schlauchboot, der um etwas zu essen bittet.

Der Fremde ist ein Schiffbrüchiger, der vor einiger Zeit auf einer Insel gestrandet ist. Er achtet sehr darauf, nicht gesehen zu werden und will nicht näher kommen, weil er – wie er sagt – eine ansteckende Krankheit hat …

Das Hörspiel glänzt unter anderem mit den Stimmen von Oliver Rohrbeck (Justus Jonas) und Joachim Kerzel (Jack Nicholson). Ein Horror-Geheimtipp, für den es sich auch mal lohnt, länger aufzubleiben. Der Spaß läuft nämlich in der Nacht von Freitag auf Samstag ab 00:05 Uhr auf Deutschlandfunk hier live hören.

Und hier noch die Radio-Geheimtipps der Woche 

  • „Asche zu Asche“ von Kirsten Heckmann-Janz. Sich nach dem Tod verbrennen lassen, das galt im christlichen Europa als heidnischer Brauch. Erst 1911 wurde die Feuerbestattung in Deutschland gesetzlich zugelassen. Feature über ein bis heute unbequemes Thema, Mittwoch ab 22:00 auf MDR Kultur hier live hören.

  • „Knausgard ungefiltert“ von Annette Brüggemann. Der norwegische Schriftsteller Karl Ove Knausgård schreibt radikal über sich selbst. Sein autobiografisches Romanprojekt „Min Kamp“ katapultierte ihn weltweit in die erste Reihe der Gegenwartsliteratur. Ein Schreibexzess auf 8000 Seiten: „Sterben“, „Lieben“, „Spielen“, „Leben“, „Träumen“ und „Kämpfen“ heißen die Einzelbände des Mammutwerks in deutscher Übersetzung. Wir erleben Minuten, Stunden, Tage, Monate und Jahre eines Lebens in Echtzeit. Annette Brüggemann hat in Norwegen nach den Ursprüngen des enigmatischen Schriftstellers gesucht und schaut in Gesprächen mit ihm und Weggefährten hinter das Wesen seiner Literatur, die vor allem eins sein will: wahrhaftig. Als Knausgard-Fan empfehle ich dieses Feature gerne. Samstag ab 12:04 Uhr auf WDR3 hier live hören.

  • „Dazwischen – intersexuelle Menschen erzählen“ von Karla Krause. Ihr Geschlecht ist im Alltag nicht vorgesehen. Allenfalls in der Mythologie tauchen Zwitter oder Hermaphroditen auf. Eltern sind überfordert, wenn ihr Neugeborenes keine eindeutigen Geschlechtsmerkmale hat und stimmen vorschnell Operationen zu. Mit unumkehrbaren Folgen für das Kind. Es geht um Skalpelle und Hormone, Chromosomen und Keimdrüsen, ums Verdrängen und Verheimlichen. Die Zumutungen einer Gesellschaft, die ein „Dazwischen“ nicht erträgt. Empfehlung aus aktuellem Anlass für Samstag ab 18:05 auf Deutschlandfunk Kultur hier live hören.

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