Harry Potter – und dann?: 7 Wege aus der Krise nach dem letzten Band

Irgendwann ist es soweit: Man hat die sieben Bände rund um Zauberschüler Harry Potter ausgelesen. Ein unvergleichliches Erlebnis. Aber was jetzt? In einem Leben nach Harry Potter kann doch eigentlich nicht mehr viel kommen, oder? Hier sind sieben Vorschläge, womit ihr eure verbleibende Lebenszeit als Potter-Fan sonst noch nutzen könnt. Mit dabei: Harry Potter im alten Japan und gleich zwei Fortsetzungen rund um Harrys Kinder.

Die offizielle Fortsetzung: Harry Potter und das verwunschene Kind

Harrys Geschichte ist zu Ende? Stimmt gar nicht. 2016 ist mit „Harry Potter und das verwunschene Kind“ die offizielle Fortsetzung erschienen. Der „achte Band“ führt die Geschichte von Harry Potter und seiner Familie weiter.

Im Zentrum steht Harrys Sohn Albus. Am Ende von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ erleben wir ihn, wie er zum ersten mal in den Express nach Hogwarts einsteigt. Im neuen Band wird man direkt dort abgeholt. „Alles war gut“, mit diesem Satz hat uns die Autorin damals entlassen. Aber jetzt zeigt sich, das noch längst nicht alles gut ist.

Albus leidet unter seinem berühmten Vater, in dessen Schatten er steht. Schon allein dass er nicht wie sein Vater ins Haus Gryffindor gewählt wurde, erscheint ihm wie ein persönliches Versagen. Albus entwickelt sich zum Außenseiter. Sein einziger echter Freund ist – ausgerechnet – Scorpius Malfoy, der Sohn von Harrys Schulfeind Draco.

Durch einen Zufall bekommen die beiden einen mächtigen magischen Gegenstand in die Hände: Einen Zeitumkehrer. Mit ihm starten sie eine gefährliche Zeitreise, denn sie wollen einer Figur, die in der originalen Potter-Serie anscheinend grundlos gestorben ist nachträglich das Leben retten. Das Ergebnis fällt völlig anders aus als sie erwarten und verändert die Welt der Zauberer für immer …

Eines muss aber gesagt werden: „Harry Potter und das verwunschene Kind“ ist kein Roman, sondern ein Theaterstück. Beim lesen braucht man also etwas Phantasie, aber braucht man die bei Harry Potter nicht immer? Statt Fließtext liest man Dialoge. Aber diese Dialoge sind so stark und mitreißend, dass man schnell das Gefühl bekommt, ein Film laufe vor dem inneren Auge ab. Besonders wenn man den achten Potter-Band als Hörbuch genießt. Blinde können das mit der ausleihbaren Daisy-Version, gelesen von Günter Schoßböck, der auch alle anderen sieben Bände eingelesen hat. Er hat einen anderen Stil als Rufus Beck, aber er macht die Figuren mindestens ebenso lebendig. Schoßböck liest nicht nur, er spielt. Und das ist für ein vorgelesenes Theaterstück natürlich ein Glücksfall: Fast wie ein Ein-Mann-Hörspiel.

Die inoffizielle Fortsetzung: James-Potter-Reihe von G. Norman Lippert

Wäre es nicht toll, wenn es auch um die „nächste Generation“ der Potters, Weasleys und Malfoys eine ganze Buchreihe gäbe? Natürlich müssten auch diese Bücher mindestens so mitreißend geschrieben sein wie die Originale. Ich verrate euch jetzt ein Geheimnis: Genau solche Bücher gibt es längst.

Okay, eigentlich ist es kein Geheimnis. Denn die Serie um James Potter von G. Norman Lippert hat weltweit schon millionen Leser gefunden. Und das beste: Die komplette Serie kann man kostenlos downloaden. Ausgenommen ist eine kürzere Erzählung, die man sich aber als Ebook z.B. bei Amazon kaufen kann.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings: Die Serie gibt es bislang nur auf englisch. Aber für diese fünf Romane – der fünfte Band erscheint noch 2017 – lohnt es sich wirklich, seine Englischkenntnisse aufzupolieren.

Als der erste Roman „James Potter and the hall of elders crossing“ erschien, mutmaßten viele Fans, Joanne K. Rowling selbst sei die Autorin. So gut hat Lippert den typischen Potter-Ton getroffen. Aber seine Bücher sind – sorry – innovativer als Rowlings Romane. Sie sprühen über vor kreativer Ideen und klären viele Fragen rund um die Zaubererwelt, auf die man vorher gar nicht erst gekommen wäre.

Genau wie in der „offiziellen Fortsetzung“ dreht sich auch hier alles um Harrys Kinder. Bei Lippert ist Sohn James die Hauptfigur. Es geht also nicht um Harrys Vater, der ja ebenfalls James hieß. Ansonsten wird die magische Welt nochmal beträchtlich erweitert, um eine amerikanische Zauberschule zum Beispiel. Hogwarts bekommt einen neuen Schulleiter – oder sagen wir lieber einen sehr alten – ein vergessenes Erbe Voldemorts taucht auf, und schließlich droht noch ein Krieg zwischen der Zauberer- und der Muggelwelt. Und das war nur das erste Buch …

Natürlich beißen sich die offizielle und die inoffizielle Fortsetzung. Aber wen das nicht stört, der wird mit einer zauberhaften Welt belohnt, die logischer und auch tiefgründiger ist als die von Rowling.

Rowlings Privatdetektiv: Robert Galbraith und Cormoran Strike

2013 brachte ein gewisser Robert Galbraith seinen ersten Kriminalroman heraus. Längst ist bekannt: Hinter dem Pseudonym steckt niemand anderes als Joanne K. Rowling. In ihrem Roman „der Ruf des Kuckucks“ werden die Verbrecher nicht von schattenhaften Dementoren gejagt, sondern von einem handfesten Londoner Privatdetektiv namens Cormoran Strike.

Schon bei Harry Potter hat Rowling bewiesen, dass ihre Stärke im Erschaffen schräger Figuren liegt. Dieses Talent hat sie auch als Robert Galbraith nicht eingebüßt. Der hünenhafte Cormoran Strike kommt gerade aus Afghanistan – mit einem amputierten Bein und einem heftigen Kriegstrauma. Sein ungewöhnlicher Vorname hat übrigens nichts mit dem gleichnamigen Vogel zu tun. Und auch ein Kuckucksruf ist erstmal nicht zu hören. Dafür stürzt ein dunkelhäutiges Top-Model vom Balkon, dessen Stiefbruder glaubt nicht an die offizielle Version vom Selbstmord und beauftragt Cormoran Strike, die Wahrheit herauszufinden.

„der Ruf des Kuckucks“ und seine zwei Fortsetzungen „der Seidenspinner“ und „die Ernte des Bösen“ sind solide Krimikost. Rowlings typischer Humor ist spürbar. Aber eine Agatha Christie ist sie nicht. Wer sich von ihr trotzdem in die ziemlich unmagische Krimiwelt entführen lassen will, dem empfehle ich die ungekürzten Hörbücher, die es z.B. bei Audible gibt. Dietmar Wunders Thriller-Lesestimme wertet die Romane nochmal gehörig auf.

Harrys Erben: Artemis Fowl und Prinz Pyrgus

Schon während Rowling an ihrer Potter-Serie schrieb, tauchten die ersten Konkurrenzprodukte auf. Jugendromane über magiebegabte Kinder und Fabelwesen, eigentlich klar aus dem Bereich Fantasy, die aber bloß nicht nach Fantasy aussehen durften. Das meiste davon war so schnell wieder verschwunden wie die tausend Vampir-Romanzen nach dem Abflauen der Twilight-Geschmacksverirrung. Aber ein paar wenige Reihen sind geblieben, weil sie genug eigene Substanz besaßen.

Da ist zum Beispiel Artemis Fowl, der geniale jugendliche Meisterdieb. Weil sein Vater, Kopf eines Verbrechersyndikates auf mysteriöse Weise verschwunden ist, muss Artemis notgedrungen das Gangster-Imperium leiten. Das tut er mit Bravour und es gelingt Artemis sogar, neue Einnahmequellen zu erschließen: Elfengold.

Elfen gibt es nämlich wirklich. Sie leben in einem unterirdischen Reich, dessen Ausplünderung sich Artemis Fowl auf die Fahnen schreibt. Wie jeder weiß, horten Elfen außer Unmengen von Gold auch andere wertvolle Geheimnisse. Was Artemis aber nicht weiß: In dem unterirdischen Elfenland ist die Zeit nicht stehengeblieben. Inzwischen leben die Elfen hochtechnisiert und haben sogar ihren eigenen Geheimdienst. Prompt rasselt Artemis Fowl mit der Elfen-Top-Geheimagentin Holly Short zusammen.

Daraus entspinnt Autor Eoin Colfer eine irrwitzige Mischung aus Action, Thriller und Fantasy. Die Reihe um Artemis Fowl umfasst acht Bände. Auch als Hörbücher wurden sie eingelesen, sogar mit Rufus Beck, leider aber stark gekürzt. Für Blinde gibt es alle acht Teile als Daisy-Hörbuch zum ausleihen. Eine charmante Mischung aus Harry Potter und James Bond!

Wer es lieber im Stil klassischer Jugendabenteuer mag, sollte sich mal „das Elfenportal“ und die Folgebände von Herbie Brennan anschauen. „Herbie, wenn du hieraus keine Serie machst, werde ich dich verklagen!“, soll Artemis-Fowl-Autor Eoin Colfer gesagt haben, nachdem er den ersten Roman gelesen hatte.

Henry hat es nicht leicht. Die Ehe seiner Eltern geht in die Brüche, weil seine Mutter eine Affäre hat – mit einer Frau! Und dann taucht auch noch der Elf Pyrgus auf. Nicht irgendein Elf, Pyrgus ist der Sohn des Elfenkaisers. Im Elfenreich wurde er von den Mächten der Finsternis gejagt und ihm blieb nur die Flucht in unsere Welt. Doch beim Transport ging etwas schief und Pyrgus ist jetzt nur noch so groß wie ein Schmetterling. Werden es Pyrgus, Henry und der verschrobene Mr. Fogerty schaffen, das Elfenreich zu retten?

Brennans Elfensaga umfasst fünf Bände. Der Erzählton hat mich auf angenehme Weise an Harry Potter erinnert: Locker, frech, manchmal schnodderig, aber immer mit einer gewissen Tiefe. Blinde lesen die Romane am besten als Ebook. Wer sich einen Eindruck verschaffen will, kann sich „das Elfenportal“, also das erste Buch der Serie, als Daisy-Hörbuch ausleihen.

Japanisches Hogwarts: Die Young-Samurai-Romane von Chris Bradford

Es gibt aber auch Bücher, die gar nicht als Harry-Potter-Erben angetreten sind und trotzdem eine ganz ähnliche Sogwirkung entfalten. So ging es mir mit den Romanen von Chris Bradford um Jack, den jungen Samurai.

  1. Der junge Jack Fletcher segelt mit seinem Vater, einem Kauffahrer, von England nach Japan. Damals noch ein praktisch unbekanntes, fast märchenhaftes Land, für fast alle Europäer verboten. Doch schon vor der Küste Japans wird das Schiff von Ninja-Piraten überfallen. Dabei kommt die gesamte Besatzung ums Leben, darunter auch Jacks geliebter Vater.

Jack hat mehr Glück. Er überlebt und wird von einem berühmten Samurai-Schwertmeister aufgenommen. Um jemals nach England zurückkehren zu können gibt es für Jack nur eine Chance: Selbst ein Samurai zu werden.

Doch die Ausbildung an der Samuraischule ist hart. Auch wenn sie schon sehr an Hogwarts erinnert. Jack, der Weisenjunge, kommt dort in eine völlig fremde Welt. Er findet Freunde, macht sich aber auch Feinde. Er lernt Dinge, die uns auch heute noch wie Magie vorkommen, für einen Samurai aber nichts besonderes sind. Außerdem besitzt Jack noch ein Geheimnis: Einen Portolan – ein Tagebuch mit Seekarten seines Vaters, mit dem man ohne Gefahr von Japan nach England segeln könnte.

Was folgt sind bisher acht Romane (ein neunter ist in Planung) voller Action und Abenteuer. Die Kapitel sind kurz, und auf fast jeder Seite passiert etwas, dass man so nie erwartet hätte. Das ganze Arsenal wird ausgeschöpft, von fanatischen Kriegsfürsten, Vulkanen, Piraten und sogar einem blinden Samurai. Natürlich stehen die Samurai im Mittelpunkt. Man lernt viel über ihren Ehrencodex und auch über ihre Feinde, die Ninjakrieger, die statt auf ehrlichen Kampf auf List und Tarnung setzen. In dieser Welt ist aber nichts einfach nur schwarz oder weiß, was Bradfords Bücher dem Kosmos von Harry Potter eindeutig voraus haben.

Leider gibt es die Bücher von Chris Bradford bislang nicht als Hörbücher. Eine Anregung bei Audible ist ohne Ergebnis geblieben. Daher ist man bei den relativ kurzen Romanen am besten mit den Ebooks beraten.

Keine Angst vor Fantasy: Christopher Paolinis Eragon

In einem Interview hat J. K. Rowling einmal erklärt, ihr sei gar nicht klargewesen, dass Harry Potter ein Fantasyroman sein. Hmm, Magie, Elfen und Kobolde, eine zweite Welt jenseits unserer Wirklichkeit … klingt für mich schon stark nach Fantasy. Also, auch für diejenigen die Fantasy mit Elfen, Zwergen und geschwollen daherredenden Schwertkämpfern verknüpft hat mit Harry Potter schon das erfolgreichste Fantasyepos aller Zeiten gelesen. Warum also nicht schauen, was es da sonst noch gibt?

Viele haben nach Harry Potter den Eragon-Büchern eine Chance gegeben. Eine vierteilige klassische Fantasysaga über Elfen, Zwerge und vor allem Drachen. Die verbinden sich bei ihrer Geburt mit einem Menschen, ihrem Drachenreiter. Der böse Herrscher Galbatorix hat inzwischen aber fast alle Drachenreiter ausgelöscht. Doch da taucht im hintersten Hinterland ein Drachenei auf, und es fällt ausgerechnet dem Bauernjungen Eragon vor die Füße.

Natürlich schlüpft aus dem Ei ein Drache und das bedeutet für seinen Reiter Eragon jede Menge Abenteuer, Kämpfe und Gefahren. Die umfassen vier dicke Bände, die alle als Hörbuch zu haben sind – ungekürzt und richtig packend eingelesen von Andreas Fröhlich, bekannt als Bob Andrews von den Drei Fragezeichen.

Geschrieben hat Eragon übrigens Christopher Paolini, ein beim Erscheinen des ersten Buches selbst noch jugendlicher Autor. Leider merkt man das der Geschichte auch an. Für Fantasy-Erstleser sind sie eine tolle Einführung in das Genre, aber erfahrenere Leser werden hier wenig neues und originelles finden.

Oder wie wär’s mit …: Harry Potter?

Genau. Einfach den kompletten Harry-Potter-Zyklus nochmal lesen – nur anders. Wie, höre ich jetzt schon einige rufen, kenn ich doch schon alles, ist doch langweilig. Aber das muss es nicht sein. Im Gegenteil. Wenn man durch eine andere Tür eintritt, erscheint die Welt von Hogwarts gleich in einem ganz anderen Licht.

Seid ihr mit den Hörbüchern von Rufus Beck groß geworden? Vielleicht wisst ihr noch gar nicht, dass es inzwischen noch eine deutsche Hörbuchversion von Harry Potter gibt. Genau wie es auch die Bücher in einer Jugend- und einer Erwachsenenausgabe gibt. Hier ist einfach nur die äußere Aufmachung anders. Bei den Hörbuch-Vertonungen gibt es aber viel größere Unterschiede.

Gelesen wird der Hör-Potter für Erwachsene von Felix von Manteuffel. Vor allem Freunden des Radiohörspiels wird seine Stimme sicher bekannt sein, z.B. aus dem Kulthörspiel „per Anhalter ins All“. Wo Rufus Beck kaspert, die Stimme verstellt und mit Dialekten spielt, liest Manteuffel zurückhaltend. Sein Harry Potter klingt gediegener, feinsinniger. Erwachsen und irgendwie auch echt britisch.

Oder versucht euch doch mal an Harry Potter im englischen Original. Ihr verbessert euren Wortschatz und werdet mit einer Fülle von Wortspielen belohnt, die in der deutschen Übersetzung einfach verloren gehen. Am leichtesten verständlich und auch am schönsten gelesen sind meiner Meinung nach die britischen Potter-Hörbücher mit Stephen Fry. Wer selber lesen will, für den gibt es natürlich die englischen Bücher und Ebooks. Ich selbst habe – damals noch als Schüler – Harry Potter ab dem vierten Band immer zuerst im Original gelesen. Nicht weil ich so gut in Englisch war, sondern weil ich mich nie bis zur deutschen Übersetzung gedulden konnte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.