Der Ballengang – Eine Umstellung für Träger von Minimalschuhen

wie versprochen gibt es nun ein weiteres Kapitel zum Thema Barfußschuhe. Ich habe schon eine Menge verschiedener Modelle ausprobiert und manche sogar auf Wintertauglichkeit getestet. Zu den Minimalschuhen gehört aber auch die richtige Art zu laufen: Der Ballengang. In diesem Artikel erfahrt ihr was sich dahinter verbirgt. Und Hörfutter präsentiert das erste und einzige Video, das den Ballengang extra für Blinde erklärt.

In meinem Schuhschrank habe ich bereits vor einiger Zeit aufgeräumt und meine ganzen dicken, festen und schweren Schuhe weggegeben.
Den gewonnenen Platz habe ich genutzt und ihn mit leichtem Schuhwerk mit möglichst dünner Sohle wieder aufgefüllt.
Diese Schuhe nennt man allgemein Barfußschuhe, obwohl man in ihnen natürlich nicht Barfuß läuft. Daher führt dieser Begriff häufig auch zu Verwirrungen. Noch besser beschreibt einen solchen Schuh die Bezeichnung Minimalschuh. Es ist ein richtiger Schuh, mit einem Minimum an Materialien. Er ist leicht und hat eine dünne Sohle von etwa 2 bis maximal 6 mm. Außerdem besitzen Minimalschuhe keinerlei Sprengung. Das heißt, die Sohle ist von der Verse bis zu den Zehen gleich flach, es gibt keinen Absatz.

Eine Große Marken- und Modellauswahl

Es gibt mittlerweile viele Hersteller und Modelle von Minimalschuhen. in meinem Beitrag
Sie fühlt mit den Füßen: Kati in der Welt der Barfußschuhe
Habe ich Euch ja bereits einige meiner Minimalschuhe vorgestellt. Es sind schon wieder ein-zwei neue Paar dazu gekommen, die werde ich Euch an anderer Stelle noch vorstellen.
Auch einen kleinen Test von Barfußschuhen im Winter
Barfußschuhe im Winter: Der ultimative Härtetest in Schnee und Eis habe ich im vergangenen Winter für Euch gemacht. Auch diesen Winter werde ich mir wohl das ein oder andere Testmodell zulegen.

Die Gangart: Der Ballen berührt zuerst den Boden

Wichtig zu wissen ist, dass man sich beim Tragen solcher Schuhe eine etwas andere Gangart angewöhnen muß, den sogenannten Ballengang.
Was das ist und wie genau der funktioniert, läßt sich im Internet unkompliziert recherchieren.
Ganz kurz gefasst geht es darum, nicht mehr auf der Ferse zu laufen, sondern mehr auf dem Vorfuß, also dem Ballen. Natürlich werden dafür auch spezielle Seminare und Workshops angeboten, aber wer es gern im Selbstversuch lernen möchte, findet im Netz unzählige bebilderte Anleitungen und auch Videos gibt es bei Youtube zu hauf.

Für blinde Menschen wird das große Angebot aber sehr schnell sehr klein. Denn wo Bild und Video ist, ist häufig leider gleichzeitig wenig Text oder Ton.
Meist ist es schon möglich, eine ungefähre Vorstellung zu entwickeln, aber sehende Menschen nehmen wesentlich mehr mit. Bei mir bleibt dann oft Unsicherheit zurück:

  • Habe ich das jetzt richtig verstanden?
  • Mache ich das so wirklich richtig?

Gerade, weil die Gangart doch ein wenig Übung bedarf und es sich am Anfang schon sehr ungewohnt anfühlt, habe ich mich ständig gefragt, ob das tatsächlich so geht, wie ich es mache. Ich habe dann versucht, mit Hilfe von Youtube-Videos und sehenden Bekannten, die mit dieser Gangart allerdings auch nicht vertraut waren, noch besser zu verstehen, wie ich gehen muss.
Noch ungeübt fühlt es sich an, als würde man gehen wie der sprichwörtliche Storch im Salat. Und so viel anders sieht es meines Erachtens nach auch nicht aus – na zumindest bei mir nicht.

Das Video für blinde Menschen

Und während ich dann eines schönen Nachmittags so am herumsurfen im Internet war, begegnete mir die Skinners Socke, ein sehr minimaler Schuh, eben eher eine Art Socke mit einer sehr dünnen, weichen aber Wasserfesten Sohle, über die ich an anderer Stelle hier noch berichten werde.
Sabine Schumacher, eine Heilpraktikerin aus Berlin, stellte sie auf ihrem
Youtube-Kanal
vor.
Sabine Schumacher und Katja Poeche, die beiden Betreiberinnen der Naturheilpraxis Inner Chi
Praxis für Lebensenergie
sind übrigens auch die Erfinder und Produzenten der
Tarasoles-Barfußsandalen ,
die ich bisher allerdings noch nicht getestet habe.
Sowohl die Tarasoles, als auch die Skinners Socken sind über die Praxis bestellbar.Also tat ich genau das, bestellte die Skinners per Mail und hatte sie noch in der selben Woche im Briefkasten.

Es ergab sich ein sehr netter Austausch und ich erzählte den beiden Frauen davon, wie begeistert ich von Minimalschuhen bin und welche Vorteile sie für mich als blinden Menschen so mit sich bringen.
Außerdem von meiner Unsicherheit mit dem Ballengang, davon, dass die meisten Youtubevideos zwar gute Anhaltspunkte sind, aber der Großteil der Beschreibungen doch letztlich in den Bildern liegt.
Da hatte ich Sabine auf eine Idee gebracht. Sie produzierte doch tatsächlich ein Video, angepasst für nichtsehende Interessenten.

Eine tolle Reaktion, die ihres Gleichen sucht

Diese spontane Initiative hat mich total begeistert. Es ist keineswegs selbstverständlich, dass jemand so schnell reagiert und so unkompliziert mal eben eine spezielle Hilfestellung an die Hand gibt.
Vielen Dank an Sabine und Katja, mir sind Prinzip und Funktionsweise des Ballengangs nun klar und ich bin fleißig am üben.
Übrigens berichtete mir Katja vor kurzem davon, dass auch sie nun übt, nämlich das Ertasten des Untergrundes mit den
Tarasoles-Barfußsandalen
mit geschlossenen Augen. Sie war ganz begeistert davon, was man alles mitbekommt, wieviel Rückmeldung die Füße geben. Sie kann sich nun viel besser vorstellen, was für eine große Hilfe dieser direkte Kontakt mit dem Untergrund gerade für blinde Menschen ist. Eigentlich, so ihr Fazit, sollten alle Blinde mal Minimalschuhe ausprobieren. Einfach um den unglaublichen Unterschied zu erfahren, der sich dann unter den Füßen auftut.

Recht hat sie. Ich habe mit dieser Art von Schuhen ein völlig neues Gehgefühl entwickelt und mir hilft die größere Beweglichkeit und Feinfühlichkeit der Füße enorm bei der Orientierung.

7 Gedanken zu „Der Ballengang – Eine Umstellung für Träger von Minimalschuhen“

  1. Als sehender Mensch bin ich vor etwa 3 Jahren auf Barfußschuhe und Ballengang umgestiegen und möchte aus meiner Sicht die Vorteile für Blinde beschreiben. Ich trage vor allen Barfußschuhe von Sole Runner und Xero Shoes und diese im Frühling, Sommer und Herbst ohne Innensohle, um ein maximales Barfußgefühl zu erhalten. Durch die dünne Sohle und vor allen durch den Ballengang bzw. Vorfußgang kann sogar ich als sehender Mensch ein wenig die unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten (z. B. unterschiedliche Pflasterung der Steine, Beton, Sand, Gras, …) unterscheiden. Um das Gefühl zu testen kann man vielleicht einfach mal zuhause einen Vergleich durchführen, der nicht viel Aufwand bedeutet: Einmal in Schuhen und einmal in vielleicht in drei Paar Socken übereinander (entspricht vielleicht den Barfußschuhen) über unterschiedliche Gegenstände wie z. B. Bleistifte in der Wohnung gehen. Die Füße werden im Winter im übrigen eigentlich nur dann kalt wenn man lange steht. Durch den Ballengang bzw. Vorfußgang sind die Füße gut durchblutet. Es gibt sogar Menschen die ganzjährig ganz barfuß gehen.

  2. Hi Kati,
    ich tappse seit einem Monat auch ungewöhnlich durch die Welt mit dem leguano aktiv. Total super.
    Für die kalte Jahreszeit hatte ich an den hier gedacht, TRANSITION VARIO 2 von Sole Runner, aber dann kamen doch einige merkwürdige Bewertungen über die Sohle. Was an dem Schuh ganz spannend erscheint, er hat einen hohen Schaft und man kann zwei Sohlen für den Winter einlegen, einmal am Boden und einmal an der Achillessehne, sieht aus wie Pappe, soll aber keine sein, ich habe den Schuh noch nicht live gesehen.
    Kennst du den?
    Ich habe natürlich auch überlegt, verdammt, Hamburg, Regen… und habe wasserdichte Socken gesucht und gefunden Sealskinz, ist etwas ungewöhnlich, bleibt aber trocken. Gibt es hier bei Globetrotter. Schon mal probiert?
    Liebe Grüße Sille

    1. Hi Sille,

      schön, dass Du auch die Leguanos für Dich entdeckt hast. Die Aktiv will ich mir auch unbedingt noch kaufen, mein Mann hat den und will ihn kaum noch ausziehen.
      Den TRANSITION VARIO II von Sole Runner, habe ich auch noch nicht in den Händen gehabt. Er soll, soweit ich gelesen habe, ein herausnehmbares Innenfutter haben, wenn ich mich jetzt richtig erinnere, ist schon eine Weile her.

      Es ist natürlich schwierig, einen Minimalschuh für den Winter aufzurüsten, das geht nicht ohne einen Materialzuwachs. Es gibt da ja verschiedenste Lösungen, ich habe bisher auch noch nicht den gefunden, mit dem ich vollends zufrieden bin. Für meinen Geschmack muss vor allem die Leichtigkeit erhalten bleiben. Ich denke, ein Winterschuh muss nicht schwer und klobig sein.

      Leider ist es eben nicht so einfach verschiedene Modelle und Marken auf einmal zu testen, da es hier in Hamburg kein Geschäft gibt, dass solch ein Angebot hat.

      Die Sealskinz habe ich bisher noch nicht, habe aber davon gelesen. Sollte dieser Winter sehr nass werden, sind die aber auch ein Muss für mich.

      Liebe Grüße!

  3. Hallo, der Film ist ja super, solche guten Beschreibungen würde ich mir zu verschiedenen Themen wünschen. Das man sich nun mit den Barfußschuhen unbedingt den Ballengang angewöhnen muss, denke ich nicht. Ich denke, man muss schauen, wie man am für sich angenehmsten läuft. Hierzu habe ich noch diesen Artikel gefunden:
    https://www.barefoot-academy.com/2017/12/30/der-ballengang-ist-nicht-die-natuerlich-praeferierte-gangart-des-menschen/

    1. Hallo Melanie,

      danke für Deinen Kommentar.
      Ob der Ballengang nun die natürliche Art des Menschen zu laufen ist oder nicht, kann ich auch nicht beurteilen. Es gibt unzählige Meinungen und Argumentationen zu diesem Thema.
      Grundsätzlich gebe ucg Dir Recht, jeder sollte so laufen, wie es für ihn am bequemsten ist. Dennnoch glaube ich, dass der altgewohnte Fersengang in Minimalschuhen auf Dauer auch nicht gesund sein kann.
      Die Ferse trifft dabei noch ungedämpfter auf dem Boden auf und die Erschütterung, die durch den ganzen Körper geht, ist enorm.

      Auch ich laufe nicht die ganze Zeit auf dem Ballen, ich verfalle noch oft genug in meinen alten Trott, auch mit den Barfußschuhen. Ganz persönlich stelle ich aber trotzdem fest, dass der Ballengang in diesen Schuhen meinem Körper besser bekommt.

      Liebe Grüße!

  4. Hallo,

    auch ich bin im Barfuß-Schuh-Fieber und war bei uns im einzigen Leguano-Laden. Die Schuhe, die ich selbst gekauft habe, sind eher wie so Halbschuhe gemacht und aus einem rauen Material. Aber das Laufgefühl damit ist einfach klasse! Gerade als Blinde habe ich die perfekte Bodenhaftung und Erdung, die mir auch bei meinem Gesang hilft. Aber auch die Innenstadt habe ich mit meinen Leguanos schon unsicher gemacht und bin voll auf begeistert! Jetzt weiß ich, dass die Rolltreppenstufen senkrecht geriffelt sind*lach* Aber einfach das Gefühl, jede Bodenfuge, jedes kleine Steinchen und jede Unebenheit sofort zu spüren ist einfach der Hit. Seitdem suche ich nach mehr dieser Schuhe, kenne aber nur die Leguanos. Ich würde gerne mal ausprobieren, ob diese Schuhe auch kälteresistent sind. Irgendwie bin ich da noch skeptisch. Und mit dicken Socken vielleicht…? Sieht halt sicher seltsam aus, da ich bisher immer barfuß darin gelaufen bin.
    In dem Geschäft, in dem ich die Leguanos gekauft hatte, gab es so eine Ecke mit kleinen Steinen, größeren Steinen und Kies zum Probieren. Aber auf der Straße damit zu laufen ist wirklich toll. Diese Schuhe ermöglichen mir als naturverbundenem Menschen eine völlig neue Gangart einzuschlagen*lach*

    Vielen Dank, liebe Kati für deinen Bericht.

    LG Katrin

    1. Liebe Katrin,

      Danke für Deinen Kommentar. Ja, diese Nähe zum Boden, die Leichtigkeit der Schuhe und das Gefühl in den Füßen, begeistert mich auch so sehr an den Minimalschuhen.
      Ich kenne schon ein paar mehr als nur die Leguanos, allerdings hat mich das auch sehr viel hin- und herbestellerei gekostet. Wenn man gleich mehrere Marken in dem Bereich kennenlernen will, muss man vor allem über das Internet bestellen. Es sei denn, man hat das Glück einen richtigen Barfußschuhladen am Wohnort zu haben, die führen ein breites Sortiment an Marken und Modellen. Hier in Hamburg haben wir jeweils einen Conzept Store von Leguano und einen von Vivobarefoot und Trekkingkönig führt eine gute Auswahl von Vibram Fivefingers. Alles andere musste ich im Internet bestellen und in Kauf nehmen, dass die Größe nicht passte. Eine schöne hin- und herschickerei. Und, ob mir so ein Schuh dann gefällt weiß ich ja auch immer erst, wenn ich ihn in der Hand habe. Die Beschreibungen in Onlineshops sind nicht grundsätzlich ungenügend, aber sie können uns blinden Menschen nicht immer ein komplettes Bild vermitteln.

      Die Leguanos gehören aber auch zu meinen absoluten Lieblingen. Die Sohle gehört nicht zu den aller dünnsten, auf ihr läuft es sich aber einfach nur fantastisch.

      Welches Leguanomodell hast Du denn? Der klassische Sockenschuh ist nicht wirklich kälteresistent, wobei da ja auch jeder Fuß unterschiedlich empfindsam ist. Mit dickeren Socken trage ich sie auch mal im Winter, wenn die Temperaturen nicht unter 5 Grad sinken. Allerdings hat Leguano ja auch zwei Wintermodelle im Programm, den Thermo und den Chester. Den Thermo habe ich bereits getestet, der Beitrag zu meinem Winterschuhtest ist im Beitrag hier auch verlinkt. Grundsätzlich gilt für Minimal-Winterschuhe aber, Bewegung ist wichtig. Solange man die Füße in Bewegung hält,bleiben sie warm. Bei längerem Herumstehen, beispielsweise auf dem Weihnachtsmarkt oder, wenn Du länger an einer Stelle bist und singst, da werden die Füße schnell sehr kalt.

      Ich bin sehr gespannt, welche Schuhe Du Dir als nächstes zulegst.

      Liebe Grüße!

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