Che und Helene: Die Radio-HörLights für die Woche vom 09.10. bis 15.10.2018

Das scheint die Woche der umstrittenen Persönlichkeiten zu werden: Che Guevara, Donald Trump und Helene Fischer. Wie schnell so ein Urteil falsch sein kann, beweist ein hochkarätig besetzter Krimi am Montag. Außerdem in den Radio-Geheimtipps: Geraubte Kinder in Spanien, ein Vergessener Krieg in Marokko und ein neuer Radiotatort aus Magdeburg.

„Das falsche Urteil“ von Hákan Nesser

An einem heißen Augusttag wird ein Mann aus dem Gefängnis entlassen. An einem nasskalten Tag im April ist er tot. Spielende Kinder finden seine übel zugerichtete Leiche in einem Graben.

Alles deutet darauf hin, dass es sich bei der Leiche um Leopold Verhaven handelt, einen verurteilten Doppelmörder. Obwohl er vor Gericht seine Unschuld beteuert hat, saß Verhaven vierundzwanzig Jahre im Gefängnis. Warum musste er kurz nach seiner Freilassung sterben? War jemand der Meinung, Verhaven sei noch nicht gestraft genug – oder fürchtete jemand seine Rache? Kommissar van Veeteren wird den Verdacht nicht los, dass Verhaven wirklich unschuldig war …

„Das falsche Urteil“ ist ein echt skandinavischer Krimi: Düster, nachdenklich und vor allem psychologisch ausgefeilt. Umgesetzt hat das Hörspiel übrigens kein geringerer als Rainer Clute, Regisseur der berühmten Van-Dusen-Krimis. In dieser späteren Arbeit hat Clute noch einmal viele seiner Lieblingssprecher versammelt, so z.B. Wolfgang Condrus, Corinna Kirchhoff als Erzählerin und Hans Teuscher in der Rolle von Kommissar van Veeteren.

Der hochkarätig besetzte Krimi läuft am Montag ab 21:30 auf Deutschlandfunk Kultur hier live hören.

„Monika La Guerrillera – Die Frau, die Che Guevara rächte“ von Tom Noga

Kuba 1959. Revolutionsführer Fidel Castro nimmt Havanna ein. An der Spitze seiner Guerillatruppen steht Ernesto Guevara, genannt Che, damals schon ein legendärer Kämpfer und Stratege.

Die Revolution ist gelungen, aber was jetzt? Den idealistischen Che ruft ein größeres Ziel: Eine umfassende Revolution in ganz Südamerika zu entfesseln. Ausgangspunkt für diese Bewegung soll Bolivien werden, wo sich Che ab 1967 als Guerillakämpfer betätigt. Doch dieses Engagement bringt ihm kein Glück. Am 9. Oktober 1967 wird Che Guevara von bolivianischen Soldaten erschossen.

An dieser Stelle ist die bekannte Geschichte aber noch nicht zu Ende, denn Ches Tod wurde gerächt – von einer Frau. Doch auch sie sollte ihrem Schicksal in Bolivien nicht entgehen.

Ein bolivianischer Geheimdienstchef, der sich in Hamburg versteckt. Die Tochter eines NS-Filmemachers, die Teil eines geheimen Guerilla-Netzwerkes wird. Und die gescheiterte Entführung eines der meistgesuchten NS-Verbrecher. Das alles verknüpft dieses Feature zu einem globalen Agententhriller, wie ihn nur die Geheimpolitik der 60er und 70er Jahre schreiben konnte.

Erzählt wird die Story am Dienstag ab 19:04 auf WDR3 hier live hören

„Im Trump-Sumpf“ von David Zane Mairowitz

„Legen wir den Sumpf trocken“ – das war Donald Trumps Wahlkampfslogan. Aber wie sieht es in Donald Trumps ureigenem Sumpfgebiet aus? In den Südstaaten, wo Trump massenhaft gewählt wurde?

Mit aufnahmebereitem Mikro bereisen die Autoren dieser Sendung das Swamp Country. Liegt hier, in den Kleinstädten von Alabama, Mississippi und Georgia, wirklich der Nährboden für den grassierenden Schwarzenhass in den USA? Leben hier nur Menschen, die Darwins Evolutionslehre genauso vehement ablehnen wie Obamas Gesundheitsreform?

Das erfahren wir am Samstag ab 18:05 auf Deutschlandfunk Kultur hier live hören.

„Helene Fischer – Seismograph der Sehnsucht“ von Vito Pinto

Sie ist eine Diva, doch sie glänzt auf sympathische Weise. Sie singt biedere Schlager, die sie mit ihrer kraftvoll-sinnlichen Stimme wie kleine Musicals klingen lässt. Helene Fischer bringt Quote, garantiert grenzenlosen Erfolg und wird von Fans aller Alters-, Gesellschafts- und Bildungsschichten abgöttisch verehrt.

Spätestens mit „atemlos durch die Nacht“ hat sie den Schlager in die Pop-Musik zurückgeholt. Auch ich bin ein Fan, obwohl ich „atemlos“ für einen ihrer schlechtesten Songs halte. Mit so vielen anderen Titeln hat Helene bei mir einen Nerv getroffen – und nicht nur bei mir.

Woher rührt Helene Fischers Erfolg, der schon seit mehr als zehn Jahren ungebrochen anhält? Und was erzählt er über das Land, in dem er stattfindet? In diesem Feature begibt sich Vito Pinto auf Spurensuche und zeichnet ein differenziertes Bild von Helene Fischer, dem derzeit größten Pop-Phänomen Deutschlands.

Dieser Spurensuche könnt ihr am Sonntag ab 14:05 Uhr auf SWR2 hier live hören lauschen.

Radio-Geheimtipps der Woche

  • „Patentöchter“ von Julia Albrecht und Corinna Ponto. Am 30. Juli 1977 wurde Jürgen Ponto, Vorstandsprecher der Dresdner Bank, von der RAF ermordet. Beteiligt an dem Mord war Susanne Albrecht, Freundin der Familie Ponto. Ihre Schwester Julia, damals 13 Jahre alt, war die Patentochter von Jürgen Ponto. Dessen Tochter Corinna wiederum Patenkind der Familie Albrecht. Nach der Tat zerbrach die Verbindung zwischen den Familien. 30 Jahre später nimmt Julia Albrecht Kontakt auf zu Corinna Ponto. Es beginnt ein Dialog zwischen zwei Frauen, die beide von dem Terror des Deutschen Herbsts getroffen wurden. Montag ab 19:04 auf WDR3 hier live hören

  • “ Bis die Araber klein beigeben – Europas vergessener Krieg im Maghreb“ von Gerit Leitner. Spanische Flieger, die Dörfer mit deutschem Giftgas bombadieren? Franzosen, die unter den Augen der Briten eine islamische Republik aushungern? Der 1. Weltkrieg war kaum beendet, da raufte sich Europa zu einem vergessenen Kolonialkrieg zusammen. 1921 ruft der Bärberführer Abd el-Krim im Magreb eine unabhängige Republik aus. Bis dahin hatten sich Frankreich und Spanien die Macht in diesem Gebiet geteilt. Prompt stellten die Kolonialherren ihre Differenzen zurück, um dem „frechen Muselmann“ den Garaus zu machen – mit deutschem Giftgas. Dienstag, 19:15 Uhr auf Deutschlandfunk hier live hören

  • „Spaniens geraubte Kinder“ von Margot Litten. In spanischen Geburtskliniken verschwanden über Jahrzehnte hinweg nach heutigen Schätzungen bis zu 300.000 Neugeborene. Ihre Eltern galten als Oppositionelle oder Asoziale oder waren schlichtweg arm. Mit gefälschten Papieren wurden die Babys an kinderlose Paare verkauft. Daran verdienten Ärzte, Anwälte, katholische Ordensgemeinschaften und andere Stützen der Franco-Diktatur. Mittwoch, 00:05 Uhr auf Deutschlandfunk Kultur hier live hören.

  • “ Auf der Straße … nach Mendocino“ von Andreas Ammer und FM Einheit. Am Anfang, damals in Amerika im Jahre ’68, war „Mendocino“ eine Hippiehymne: Der Tex-Mex-Amerikaner Doug Sahm träumt davon, das nette Mädchen „Teeny Bopper“ möge doch noch ein Weilchen mit ihm in Mendocino bleiben, wo man sich schon am Morgen die Birne weg haut und sich am Wegesrand liebt. In Deutschland wurde daraus erst einmal Schlagerseligkeit. Acht Jahre später war „Mendocino“ dann das Codewort, nach dessen Übermittlung sich vier deutsche Terroristen im Kölner Cafe „Strass“ erheben und in einem Kugelhagel sondergleichen die vier Begleiter des Arbeitgeberpräsidenten Schleyer ermorden. Eine dokumentarische Schlagerparty. Mittwoch, 19:04 auf WDR3 hier live hören

  • „Nein heißt nein!“ von Thilo Reffert. Seit einem Jahr rennt Caroline Griem, die Neue im LKA, gegen eine Mauer des Schweigens. Dahinter: ein Müllskandal, der aus der Tiefe einer alten Tongrube bis hinauf in Landtag und Ministerien reicht. Radiotatort vom MDR. Mittwoch, 20:03 Uhr auf Bayern2 hier live hören und 21:00 auf HR2 Kultur hier live hören. Freitag, 19:04 Uhr auf WDR3 hier live hören, 21:04 Uhr auf SWR2 hier live hören. Samstag, 17:05 Uhr auf WDR5 hier live hören, 21:05 Uhr auf NDR Info hier live hören. Sonntag, 17:04 Uhr auf SR2 hier direkt hören und 18:00 Uhr auf MDR Kultur hier live hören

  • “ Illegale Drogen töten“ von Christian Lerch. Der Weg der Droge Kokain von einer Hölle aus giftigen Pflanzenvernichtungsmitteln in Kolumbien über mexikanische Städte, wo der Drogenkrieg bislang über 70.000 Tote forderte, und den Containerhafen Rotterdam, von wo aus der Stoff in die europäischen Zentren geschmuggelt wird. An jeder Nase Kokain klebt das Blut, das der erfolglose Krieg gegen seine Verbreitung kostet. Was wäre, wenn die Droge legal wäre? Sonntag, 11:05 Uhr auf NDR Info hier live hören

  • „Scherentango“ von Johanna Fricke. »Wenn ich könnte, würde ich nur noch Haare schneiden «, sagt Peggy Pohlers. Sie betreibt zwei Friseursalons in Leipziger Seniorenheimen. In beiden Salons hängt ein Schild: »Ich habe zu wenig Zeit, um mich zu beeilen.« Peggy Pohlers braucht die Zeit – um Geschichten zu hören. Die Geschichte von der alten Dame, die süchtig nach Knackwürsten ist und sie unter ihrem Bett versteckt. Die Geschichte von der Tschechin, die ihre Nationalhymne gegen einen Topf Knoblauchsuppe tauschte. Und Peggy Pohlers hat auch selbst viel zu erzählen. Sonntag, 14:04 Uhr auf RBB Kultur hier live hören

  • „Blutsbrüder – Cliquenturbo“ von Ernst Haffner. Berlin 1930, zwischen den Kriegen. Jugendliche organisieren sich in Banden um zu überleben. Sie kommen aus Heimen, Auffanglagern, von der Straße, vom Strich, aus Kaschemmen und Spelunken. Es sind kaputte, vitale, hungrige, raffinierte Kinder. Gierig nach Wärme, zum Verbrechen bereit. Hörspiel nach Ernst Haffners Roman von 1932. Sonntag, 18:30 Uhr auf Deutschlandfunk Kultur hier live hören.

  • „Der Sound der Veränderung“ von Heiko Behr. Die Politik ändert sich, die Populisten kommen oder sind schon da. Und vielen Musikern stellt sich eine Frage, die fast erledigt schien: Welche politische Position sollen sie heute mit ihrer Kunst einnehmen? Besonders afroamerikanische Musik hatte in den 60er-Jahren den Sound zur Bürgerrechtsbewegung geliefert. Auch Musiker wie Bob Dylan, James Brown und Bruce Springsteen setzten damals mit ihrer Musik politische Akzente. Gibt es heute in zersplitterten Zeiten
    vergleichbare politische Musik? Sonntag, 20:05 Uhr auf Deutschlandfunk hier live hören

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