Jetzt in neuem Gewand: Die Hörlights für die Woche vom 02.10. bis 08.10. 2017

Ein spannendes Hörspiel? Ein informatives Feature? Reicht mir nicht mehr! Ab dieser Woche präsentiere ich an dieser Stelle nur noch, was mich ganz persönlich wirklich vom Hocker reißt – echte HörLight-Höhepunkte. Und wer noch nicht genug hat, dem empfehle ich meine Geheimtipps am Schluss. Jede Menge qualitativ hochwertiges Hörfutter, kurz und knackig aufbereitet.

„Schwere See“ von Christoph Güsken (Montag)

TV-Produzent Weißenberg kreuzt mit seiner Luxusyacht vor Lampedusa, als sich ein kleines Boot nähert. Etwa Flüchtlinge? Das wäre eine Prima Werbung. Weißenburg ist Erfinder von „Lost at sea“, dem Dokudrama zur Flüchtlingskrise. Eine Hochglanz-Reality-Soap über verzweifelte Menschen, die in kaputten Booten die Flucht übers Mittelmeer wagen.

Doch in dem Boot sitzen keine Flüchtlinge, sondern bewaffnete Aktivisten. Sie kapern die Yacht, verteilen Sprengsätze darauf und drohen sie mitsamt Crew und Passagieren zu versenken, falls ihre Forderungen nicht erfüllt werden: Eine Wende in der Flüchtlingspolitik.

Die Ermittler bekommen es in diesem brandaktuellen Krimi nicht nur mit den Geiselnehmern zu tun, sondern auch mit den Machtspielchen eines EU-Politikers. Und selbst wenn die Sache gut ausgeht, bleibt für den Hörer die eine Frage: Wann kommt sie wirklich, die Flüchtlingskrise als Popcorn-Entertainment fürs Sofa?

Ich hoffe das dauert noch. Bis dahin gibts „schwere See“ zu hören. Das Krimihörspiel von Christoph Güsken läuft am Montag ab 21:30 Uhr auf Deutschlandfunk Kultur hier live hören.

 

Ich hatte einen bösen Traum – Zwischen Mallorca und Mogadischu (Mittwoch)

Oktober 1977. Palästinensische Terroristen kapern eine Deutsche Lufthansa-Maschine. Mit dieser Aktion wollen sie die in Stammheim inhaftierten RAF-Terroristen freipressen. Das Flugzeug landet schließlich in Mogadischu, viereinhalb Tage sind mehr als 80 Passagiere in der Gewalt der Entführer, unter ihnen auch alte Menschen und Kinder.

Zeitungen, Fernsehen und Hörfunk berichten ausführlich über die Entführung und die dramatische Befreiungsaktion durch die GSG9. Doch schon bald danach wird es still um die Beteiligten. Der Marktwert der Opfer war verbraucht, sie wurden vergessen.

Zwei Jahre nach der Entführung versuchte in dieser Sendung eine der Geiseln, den erlebten Alptraum vor dem Mikrofon zu bewältigen. Ein Feature aus dem Jahr 1979 vom Sender freies Berlin mit vielen Originaltönen. Zu hören ist dieses Schätzchen aus dem Archiv am Mittwoch ab 22:00 Uhr auf MDR Kultur hier live hören.

„Verräter“ von Dirk Josczok (Freitag)

Beim Überfall auf einen Spätkauf in Neukölln wird der türkischstämmige Ladenbesitzer erschossen und die Kasse geplündert. Ist es die Gelegenheitstat eines Junkies oder steckt mehr hinter dem brutalen Mord? Der Täter ist gekommen und gegangen ohne Spuren zu hinterlassen.

Zwar gelingt es Hauptkommissar Kurt Magnus und seinem Team einen Verdächtigen zu ermitteln, aber der bekennende Neonazi Mark Wedéll hat ein Alibi für die Tatzeit. Und Ingo Witte, der einzige Zeuge der Tat, scheint andere Pläne zu haben, als mit der Polizei zusammenzuarbeiten. Dass er dabei nicht nur seine schwangere Freundin in Lebensgefahr bringt, begreift er zu spät.  

Die Krimis um Kurt Magnus sind immer hart an der Realität und nie was für schwache Nerven. Wer mit „Verräter“ in menschliche Abgründe eintauchen will kann das am Freitag ab 22:33 Uhr auf SWR2 hier live hören.

Heiter im Ghetto: „Die Liebe sucht ein Zimmer“ von Jerzy Jurandot (Sonntag)

 
David Safier stieß durch Zufall auf eine Komödie, die am 26. Januar 1942 uraufgeführt wurde. Im Femina-Theater im Warschauer Ghetto. Ihr Titel: „Die Liebe sucht ein Zimmer“. Es geht um zwei Paare, die sich, wegen der Wohnungsnot, ein Zimmer teilen müssen und sich über Kreuz ineinander verlieben.

Eine klassische Liebeskonstellation also – ein Stück, über das die Menschen in ihrem Elend lachten, ein halbes Jahr bevor der Großteil der Ghettobevölkerung in den Konzentrationslagern vergast wurde. Obwohl der schreckliche Ghettoalltag im Hintergrund mitschwingt, ohne alles zu überlagern, ist es vor allem ein Stück voller Lebensfreude! Eins, in dem junge Menschen angesichts des sie umgebenden Elends und Todes versuchen, die Liebe zu finden. Eins, in dem geliebt, gelacht und gesungen wird – gesungen wie in einem Musical.

Bis heute wurde das Stück nicht wieder aufgeführt. In der Hörspielbearbeitung von David Safier erlebt der Text eine neue Öffentlichkeit und wird auch den heutigen Zuhörer zum
Lachen (und Weinen) bringen.

Lust auf einen Logenplatz? „Die Liebe sucht ein Zimmer“ läuft am Sonntag ab 17:04 Uhr auf SR2 hier direkt hören

Geheimtipps der Woche

  • „Bilder von uns“ von Thomas Melle. Ein Mann wird von einem Foto aufgeschreckt. Er als zehnjähriger Junge. Nackt. Wer hat ihm das auf sein Handy geschickt? Bilder aus seiner Schulzeit werden lebendig, eine Reise in die Vergangenheit beginnt. Der Psychokrimi läuft am Dienstag ab 18:30 Uhr auf Deutschlandfunk Kultur hier live hören

  • „Die Hofsänger“ von Markus Heumann. Propaganda durch Musik. Allwöchentlich treffen sich ab den 50er Jahren bei „Radio DDR“ junge Schriftsteller und renommierte Komponisten, um Loblieder auf sowjetische Satelliten, maisgemästete Schweine und den Mauerbau zu verfassen. Inklusive hasserfüllte Pamphlete gegen den rias, Willy Brandt und Konrad Adenauer. Bis 1964 entstehen über 1 000 Titel, deren Interpretenliste von Manfred Krug bis zum „Kampfgruppenchor des staatlichen Rundfunkkomitees“ reicht. Durch die Sendung, die einige dieser Titel vorstellt, führt Kultmoderator Jürgen Kuttner. Das Feature von 1994 läuft Dienstag ab 19:04 Uhr auf WDR3 hier live hören.

  • „Manhattan Transfer“ von John Dos Passos. New York erwacht zum Leben, wie es sich in den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts von der Einwandererstadt zur Weltmetropole wandelt. Aufwändiger Hörspiel-Dreiteiler nach dem Amerikanischen Großstadtroman überhaupt, vergleichbar etwa mit „Berlin Alexanderplatz“. Teil 1 läuft Mittwoch ab 20:05 Uhr auf NDR Kultur hier live hören. Die Teile 2 und 3 folgen am 11. und 18.10., jeweils um die gleiche Zeit.

  • „Tod unterm Hellweg“ von Anne Chaplet. Ein Kind ist verschwunden, vermutlich auf dem Gelände der Hattinger Henrichshütte. Als ein Leichenhund anschlägt, findet man Knochen, aber keine Spur des Kindes. Recherchen ergeben, dass weitere Kinder verschwunden sind, alle im Bereich des historischen Hellwegs, der schon in vorrömischer
    Zeit als Heer- und Handelsweg genutzt wurde. Das Regionalkrimi-Hörspiel läuft Freitag ab 19:04 auf WDR3 hier live hören
    und Samstag ab 17:05 auf WDR5 hier live hören.

  • „Schöner neuer Wahn“ von Christian Alt. Deutschland ist kein souveräner Staat und die Anschläge vom 11. September wurden von der CIA begangen. Verschwörungstheorien boomen. Aber wie funktionieren sie eigentlich? Der Autor wollte es genau wissen und hat seine eigene Verschwörung gebastelt. Das Feature läuft Samstag ab 13:05 und Sonntag ab 21:05 jeweils auf Bayern2 hier live hören.

  • „Mein Freund Lennie oder Die Reise“ von Ulrich Gerhardt. Juni 1945. Die Freundschaft zweier Internatsschüler, 11 und 12 Jahre alt, gipfelt in einer zehntägigen Reise durch das chaotische Nachkriegsdeutschland auf dem Weg nach Hause von der Donau an den Main, der eine nach Frankfurt, der andere in die Nähe von Würzburg. Die kleine Heldentat bleibt unvergessen. Und Jahrzehnte später begibt sich der Autor in seinem Feature auf die Suche nach seinem Jugendfreund. Zu hören Sonntag ab 14:04 Uhr auf RBB Kultur hier live hören.

  • „Patentöchter“ von Julia Albrecht und Corinna Ponto. Am 30. Juli 1977 wurde Jürgen Ponto, Vorstandsprecher der Dresdner Bank, von der RAF ermordet. Beteiligt an dem Mord war Susanne Albrecht, Freundin der Familie Ponto. Ihre Schwester Julia, damals 13 Jahre alt, war die Patentochter von Jürgen Ponto. Dessen Tochter Corinna wiederum Patenkind der Familie Albrecht. Nach der Tat zerbrach die Verbindung zwischen den Familien. 30 Jahre später nimmt Julia Albrecht Kontakt auf zu Corinna Ponto. Es beginnt ein Dialog zwischen zwei Frauen, die beide von dem Terror des Deutschen Herbsts getroffen wurden. Zu hören ist dieser Dialog nach dem gleichnamigen Buch Sonntag ab 17:05 auf WDR5 hier live hören.

  • „Der Fall Mata Hari“ von Helmuth M. Backhaus. Die Niederländerin Gertrud Margarete Gelle, besser bekannt als Mata Hari, Tänzerin, hat bis zum Ersten Weltkrieg Männer höchsten Ranges in ganz Europa fasziniert- und gelangte ganz nebenbei an Informationen, mit denen eine Tänzerin normalerweise nicht viel anfangen kann. Das machte mitten im Krieg die Franzosen stutzig: Mata Hari wird in Paris verhaftet, der Leitung einer deutschen Spionagezentrale
    beschuldigt und am 15. Oktober 1917 erschossen. Im „Fall Mata Hari“ sieht sich Inspektor Latour auf der Suche nach der Wahrheit gezwungen, das gesamte Leben dieser rätselhaften Frau wieder aufzurollen. Der historische Krimi läuft Sonntag ab 18:00 Uhr auf MDR Kultur hier live hören.

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