Zeit zum weiterblättern: Meine Top-Buchempfehlungen für Silvester

Ein Wintermärchen für Erwachsene, ein witziger Silvesterklassiker nicht nur für Kinder und ein zeitloser Begleiter durch das nächste Jahr – in meinem Buchempfehlungen ist garantiert für alle was dabei. Denn: Silvester bedeutet für jeden etwas anderes.

Spritziger Klassiker nicht nur für Kinder: „Der Wunschpunsch“ von Michael Ende

Weihnachtsgeschichten gibt es wie Sand am Meer, oder besser wie Nadeln am Baum. Aber Silvestergeschichten? Schade eigentlich, denn für viele ist die Zeit zwischen den Jahren doch auch eine aufregende und irgendwie magische Zeit.

Ein Buch ist mir aber doch eingefallen. „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“, so der komplette Titel, ist der ultimative Silvesterklassiker. Michael Ende hat hier nicht nur eine Geschichte geschrieben, die am 31. Dezember spielt – das wäre nichts besonderes.

Besonders ist, dass er alles einfängt, was Silvester ausmacht. Er zündet ein wahres Feuerwerk von Wortspielen; ein schräger Einfall jagt den anderen wie bunte Raketen; und das übergießt der Autor noch mit einem kräftigen Schuss Alkohol, bis sich am Ende alles dreht und jeder beschwipst ist vom Wunschpunsch, um den es hier geht.

Ja, worum gehts eigentlich? Vor allem um den bösen Zauberer Beelzebub Irrwitzer und seine verhasste Tante, Geldhexe Tyrannja Vamperl. Beide haben ein Problem: Im vergangenen Jahr haben sie nicht genug böse Taten vollbracht. Wenn sie ihr Soll an Missetaten nicht bis Neujahr erfüllen, werden sie in die Hölle verbannt. Und jetzt ist doch schon Silvester – wie sollen sie das schaffen?

Ihre letzte Chance ist der Wunschpunsch, der alle Wünsche erfüllt, wenn man von ihm trinkt. Werden sie es schaffen, den magischen Punsch bis zum Jahreswechsel zu brauen? Der Rat der Tiere hat den Raben Jakob und den Kater Moritz beauftragt, eben das zu verhindern. Aber die beiden haben erstmal ihre ganz eigenen Probleme …

Nicht nur Katze und Rabe, auch Zauberer und Hexe können sich erstmal nicht riechen und müssen sich in den letzten Stunden des Jahres zusammenraufen – beides klappt mehr oder weniger, auf jeden Fall gibt es dadurch eine Menge zu lachen und die Stunden fliegen viel zu schnell vorbei.

Eine Geschichte die den Wunschpunsch muss man sich ganz einfach vorlesen lassen. Am besten von Christoph Maria Herbst, der schon bei Büchern wie „er ist wieder da“ oder „Vollidiot“ von Tommy Jaud für hemmungslose Lachanfälle gesorgt hat. Den Wunschpunsch hat er als ungekürztes Hörbuch eingelesen – klare Empfehlung! Aber nicht bei mir beschweren, wenn ihr vor lauter Lachen ganz das Prost-Neujahr-rufen verpasst.

Winterbuch zum versinken: „Das Schneemädchen“ von Eowyn Ivey

Im Januar kann es nochmal richtig kalt werden. Und während draußen klirrender Frost herrscht, sitzt man gemütlich bei heißem Tee in der Wohnung und liest eines von diesen fesselnden Büchern, in die man so richtig hineinsinken kann. Und wo spielt das Buch? Na, mitten im klirrenden Frost natürlich!

Genauer mitten in Alaska. Dorthin ziehen sich Mabel und Jack zurück. Ein Kinderloses Ehepaar, dass in der schweigenden, majestätischen Wildnis neu anfangen möchte. Vor allem Mabel leidet noch zutiefst unter dem Verlust ihres Kindes, das tot geboren wurde.

Das harte Leben und die Entbehrungen in der Wildnis setzen Mabel und Jack sehr zu. Trotzdem überkommt sie mit dem ersten Schneefall ein lang nicht mehr gekannter Übermut. Wie Kinder liefern sie sich erst eine wilde Schneeballschlacht und bauen dann gemeinsam ein Kind aus Schnee.

Am nächsten Tag ist ihr Schneekind plötzlich verschwunden. Dafür entdecken sie zwischen den Bäumen am Waldrand ein feenhaftes, blondes Mädchen. Woher kommt das Kind? Wie kann
es allein in der Wildnis überleben? Und was hat es mit den kleinen Fußspuren auf sich, die von Mabels und Jacks Blockhaus wegführen?

„Das Schneemädchen“ spielt mit Motiven aus einem uralten russischen Märchen. Der Roman selbst ist ein Märchen für Erwachsene. Es geht um Einsamkeit, Liebe, neue Anfänge und einen Kinderwunsch, der auf wunderbare Weise erfüllt wird. Die Sprache ist schlicht und gleichzeitig poetisch, wie die raue Landschaft der nördlichen Wälder, in denen diese Geschichte spielt.

„Das Schneemädchen“ ist als Hörbuch erschienen, leider handelt es sich aber um eine gekürzte Lesung. Für Blinde und Sehbehinderte gibt es das Buch als ungekürztes Hörbuch bei den Hörbüchereien zum ausleihen. Ansonsten empfehle ich die Ebook-Version für den Kindle.

Begleiter durch das Jahr: „Die 13 Monate“ von Erich Kästner

Wünscht ihr euch manchmal auch einen freundlichen Begleiter durch das Jahr? Einen, der euch im Januar an die Hand nimmt und bis zum Dezember verlässlich an eurer Seite bleibt? Eine Art ewigen Kalender, der keine tausend stressigen Termine zeigt, sondern den Klang der Monate und Jahreszeiten, die man jedes Jahr aufs neue entdecken kann.

Dann gebt diesem schmalen Gedichtband von Erich Kästner eine Chance. Nur dreizehn Gedichte enthält die Sammlung: Ein Gedicht für jeden Monat und noch ein zusätzliches – für den geheimnisvollen dreizehnten Monat.

1955 hat Kästner diese Gedichte für eine Zeitung geschrieben. Bis heute sind sie frisch geblieben, immer gültig und aktuell, eben zeitlos. Und doch hat niemand je treffender über Zeit geschrieben. Übers Jahr eignen sich die Texte wunderbar, um sich auf den jeweiligen Monat einzustimmen.

„die 13 Monate“ gibt es in mehreren Ausgabenals gebundenes Buch und Taschenbuch. Meistens sind die Gedichte hier noch zusätzlich illustriert. Natürlich gibt es sie inzwischen auch für den Kindle, genau wie fast alle anderen Gedichtbände von Erich Kästner.

Wer sich die Gedichte lieber vorlesen lassen will, dem empfehle ich die Aufnahme der 13 Monate mit Heinz Rühmann. Sie ist auf Kassette und auf CD erschienen, beide sind aber nur noch antiquarisch zu bekommen. Eine Suche bei Amazon oder http://www.medimops.de lohnt sich.

Auf der Seit des Gedichtrezitators Fritz Stavenhagen kann man sich den gesamten Gedichtzyklus übrigens auch kostenlos anhören – unaufdringlich und mit viel Gefühl für die Details vorgetragen. Übrigens wurden die Texte auch musikalisch umgesetzt, und zwar durch den Komponisten Edmund Nick, einen Freund von Kästner. Eine Aufnahme der 13 Monate als Liederzyklus bekommt man zum Beispiel hier bei Amazon, gesungen von Friedrich Schütte.

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